Wie lange ist THC im Blut nachweisbar?
Aktives THC im Blut fällt schnell ab: 4 bis 12 Stunden nach einmaligem Konsum, 6 bis 24 Stunden bei gelegentlichem Gebrauch. Bei regelmäßigem Konsum hält ein aus dem Fettgewebe freigesetzter Rest jedoch 24 bis 72 Stunden an, bei starkem täglichem Konsum bis zu einer Woche.
Blut ist die Matrix, die der tatsächlichen Wirkung am nächsten kommt — deshalb dient sie zur Bestätigung nach einem Vortest. Aber „nachweisbar“ und „beeinträchtigt“ decken sich nicht: THC kann noch lange nach dem Ende der Wirkung vorhanden sein.
| Konsummuster | Ab | Bis etwa |
|---|---|---|
| Einmalig | 4 h | 12 h |
| Gelegentlich | 6 h | 24 h |
| Regelmäßig / täglich | 24 h | 72 h (3 Tage) |
| Stark täglich | 48 h | 168 h (7 Tage) |
Zwei sehr unterschiedliche Kurven: Gelegenheits- vs. Dauerkonsum
Das ist die Unterscheidung, die die meisten Quellen verwischen. Nach einem Joint steigt das THC im Blut auf einen hohen Peak und fällt dann innerhalb weniger Stunden ab: Bei Gelegenheitskonsum liegt es oft schon ab der 3. bis 4. Stunde nahe null. Der Körper „speichert“ aktives THC nicht lange.
Bei Dauerkonsum ändert die Fetteinlagerung alles: Das angesammelte THC tritt langsam wieder aus und hält einen niedrigen, aber anhaltenden Grundspiegel aufrecht, der über Tage der Abstinenz messbar ist. Das ist kein neuer Peak, sondern ein Reservoir, das sich entleert — und der Grund, warum ein Dauerkonsument den 3,5-ng/ml-Grenzwert weit länger überschreiten kann, als er sich beeinträchtigt fühlt.
Wie sehen die tatsächlichen Konzentrationen aus?
- Ein Joint mit etwa 50 mg THC erzeugt in den Minuten danach einen Peak von rund 100 ng/ml (Plasma).
- Bei Gelegenheitskonsum fällt dieser Wert auf ~1 ng/ml nach 6 h und ~0,3 ng/ml nach 12 h.
- Bei Dauerkonsum liegt der Grundspiegel typischerweise zwischen 1 und 3 ng/ml und nimmt über mehrere Tage ab (Eliminationshalbwertszeit von 3 bis 5 Tagen bei Abstinenz).
Diese Werte sind in Plasma angegeben (etwa das Doppelte von Vollblut). Es ist eine physiologische Schätzung, kein forensischer Beweiswert: Ein Labor misst Serum oder Vollblut nach einem geregelten Protokoll.
Blut und der 3,5-ng/ml-Grenzwert in Deutschland
Seit dem 22. August 2024 gilt in Deutschland ein Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum nach § 24a StVG (angehoben von zuvor ~1,0 ng/ml). Das Erreichen oder Überschreiten ist eine Ordnungswidrigkeit (Bußgeld, Fahrverbot, Punkte). Zweigleisig: Bei tatsächlichen Ausfallerscheinungen kann bei jeder Konzentration zusätzlich eine Straftat nach §§ 316, 315c StGB vorliegen. Unter dem Grenzwert zu liegen ist also nicht dasselbe wie rechtlich sicher.
Plasma, Serum, Vollblut: warum die Zahlen schwanken
Dieselbe Probe kann je nach analysierter Matrix unterschiedliche Zahlen ergeben. THC reichert sich in Plasma und Serum stärker an als in Vollblut — der Unterschied liegt bei etwa dem Faktor zwei. Der deutsche Grenzwert bezieht sich auf Serum. Einen „Plasma“-Wert mit einer in „Vollblut“ angegebenen Grenze zu vergleichen, führt in die Irre. Jede ernsthafte Angabe eines Werts muss die Matrix nennen.
Auf welchem Modell beruht diese Schätzung?
Die Berechnung folgt einem populationspharmakokinetischen Drei-Kompartiment-Modell (Alvarez et al., 2021), mit einem akuten Peak, anschließendem bi-exponentiellem Abfall und einem Fettreservoir für den chronischen Konsum. Es ist derselbe Rechenkern wie in der App, kalibriert an den maßgeblichen Studien — und keine Einzelzahl ohne Modell.
Quellen: Alvarez Y et al., Br J Clin Pharmacol 2021;87(8):3139–3149 · Huestis MA, 1992 & Hunault CC et al., 2008, PMID 18695931 (Spitzenkonzentrationen) · Toennes SW et al., 2008 (schneller Abfall bei Gelegenheitskonsum) · Karschner EL et al., J Anal Toxicol 2009;33:469 & Lowe RH et al., 2009 (chronischer Rest, Halbwertszeit bei Abstinenz) · § 24a StVG (gesetze-im-internet.de). Geprüft am 30. Juli 2026.